<p>Perspektiven auf Kardiomyopathien und Myokarditis im Kindesalterr</p>
05.05.2026 | Aktuelles

Perspektiven auf Kardiomyopathien und Myokarditis im Kindesalterr

Beim „Cardiovascular Conversations Meetup“ im April gabt es unerwartet internationalen Besuch: Drei Mitglieder einer Delegation vom Samsung Medical Center in Seoul (Südkorea), die gerade die Charité zu Informationszwecken besuchten, nahmen die Einladung ihres DHZC-Gastgebers Gerhard Hindricks an und nahmen spontan am Meetup teil.

In ihrem Vortrag führte Sabine Klaassen in das Gebiet der pädiatrischen Kardiomyopathien ein und unterstrich, dass es sich dabei um Erkrankungen des Herzmuskels handelt, die durch strukturelle und funktionelle Auffälligkeiten ohne andere erkennbare Ursachen gekennzeichnet sind.

Obwohl Kardiomyopathien selten sind, mit einer Inzidenz von etwa 1–1,5 pro 100.000 Kinder pro Jahr, stellen sie eine bedeutende Ursache für terminale Herzinsuffizienz dar und sind eine der häufigsten Indikationen für Herztransplantationen im Kindesalter. Kardiomyopathien werden klinisch und morphologisch in verschiedene Phänotypen eingeteilt; aktuelle Leitlinien betonen jedoch, dass der Phänotyp allein keine endgültige Diagnose darstellt und zugrunde liegende genetische Ursachen berücksichtigt werden müssen. Sie hob die komplexe genetische Architektur dieser Erkrankungen hervor, einschließlich der Rolle von Proteinen wie Troponin I und neu identifizierter Gene wie PRDM16. Trotz erheblicher Fortschritte bleiben viele Fälle ungeklärt. Insgesamt sind genetische Diagnostikverfahren entscheidend für eine frühzeitige Risikoerkennung und eine verbesserte Risikostratifizierung und unterstützen damit ein stärker personalisiertes klinisches Management.

 

 

Franziska Seidel beschrieb die pädiatrische Myokarditis als eine heterogene Erkrankung, die durch Schädigung von Kardiomyozyten und entzündliche Infiltration gekennzeichnet ist, und stellte Erkenntnisse aus dem mulizentrischen Register für pädiatrische Myokarditis MYKKE mit über 1100 eingeschlossenen Patienten und 29 teilnehmenden Zentren vor. Sie betonte, dass genetische Varianten bei mehr als einem Drittel der schweren Fälle vorhanden sind und den Phänotyp sowie den Krankheitsverlauf maßgeblich beeinflussen. Insbesondere können trunkierende Varianten im TTN-Gen (die zu einem vorzeitigen Abbruch des kodierten Proteins führen), im Sinne eines „Second-Hit“-Modells die Anfälligkeit für entzündliche Kardiomyopathien erhöhen und zu unterschiedlichen Erholungsverläufen beitragen. Diese Varianten sind bedeutsam, da das vom TTN-Gen kodierte Protein Titin eine zentrale Rolle für die Struktur und Elastizität von Muskelzellen spielt und verkürztes Titin möglicherweise nicht korrekt funktioniert. Franziska Seidel ging außerdem auf altersabhängige immunologische Unterschiede sowie den jüngsten Anstieg der durch Parvovirus B19 verursachter Myokarditis ein. Insgesamt ist die Integration klinischer, genetischer und immunologischer Daten entscheidend für eine verbesserte Risikostratifizierung und individuellere Therapieansätze.

 

 

Nele Rolfs konzentrierte sich in ihrem Vortrag auf Prädiktoren der myokardialen Erholung bei Kindern mit schwerer Herzinsuffizienz infolge einer Myokarditis, die eine Therapie mit einem ventrikulären Unterstützungssystem (VAD) erfordert. Sie hob hervor, dass VAD-Systeme zwar häufig als Überbrückung bis zur Transplantation eingesetzt werden, jedoch ein erheblicher Anteil pädiatrischer Patient:innen (37 %) eine Erholung erreichen und das Gerät erfolgreich entfernt werden kann. Ein klinisches Vorhersagemodell (PredictClinVAD) zeigte eine hohe Genauigkeit bei der Identifizierung von Erholung, wobei wichtige Prädiktoren ein jüngeres Alter, weibliches Geschlecht und eine akute Myokarditis in der initialen Biopsie waren. Wichtig ist, dass genetische Analysen eine hohe Belastung mit Kardiomyopathie-assoziierten Varianten zeigten, die bei nicht genesenen Patient:innen häufiger vorkamen und einen unabhängigen negativen prädiktiven Wert für die Erholung aufwiesen. Die Integration klinischer, histopathologischer und genetischer Daten verbesserte die Risikostratifizierung und könnte individualisierte Behandlungsstrategien unterstützen, insbesondere bei der Entscheidung zwischen „Bridge-to-Recovery“ und Transplantation. Trotz vielversprechender Ergebnisse weisen Einschränkungen wie die geringe Stichprobengröße und das Fehlen einer Validierung auf die Notwendigkeit weiterer Studien hin.

Um diesen Familien gezielt zu helfen, wurde ein gemeinsames Pilotprojekt des Deutschen Herzzentrums der Charité (DHZC) und der Evangelischen Kita Nazareth im Berliner Wedding mit Hilfe der Stiftung Deutsches Herzzentrum ins Leben gerufen. Während das herzkranke Kind im DHZC behandelt wird, werden seine Geschwister in der nahegelegenen Kita betreut. So finden die Kinder Halt und die Eltern erfahren spürbare Entlastung.

Ich möchte Familien unterstützen, die sich in einer Ausnahmesituation befinden – weil ich selbst weiß, wie herausfordernd diese Zeit ist
Andreas Hommelsheim

Andreas Hommelsheim

Musiker und Angehöriger

Seit November nehmen die ersten Kinder das Angebot wahr und erleben inmitten von Krankenhausbesuchen und neuer Umgebung wieder ein Stück vertrauten Alltag.

„Im Alltag des DHZC wird deutlich, wie stark Familien mit schwer kranken Kindern belastet sind. Zwischen Behandlungen, bürokratischen Fragen und emotionalem Stress bleibt für die Geschwister oft wenig Zeit. Genau diese Lücke möchten wir schließen: Kinder brauchen sichere Anlaufpunkte und Menschen, bei denen sie einfach Kind sein dürfen“, sagt Alexander Tömmler, Sozialarbeiter am DHZC und Initiator des Projekts.

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Für die Stiftung Deutsches Herzzentrum ist das Geschwisterkind-Projekt eine Herzensangelegenheit. Es zeigt, wie durch gezielte Förderung das Wohl der kleinsten Patient:innen und ihrer Familien gestärkt werden kann.

Ein besonderer Dank gilt allen Beteiligten, insbesondere Herrn Hommelsheim, dessen Engagement dieses Projekt überhaupt erst möglich gemacht hat.

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